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„Wir suchen immer nach dem Mehrwert für unsere Kunden.“

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Martin Knötgen ist seit August 2017 CEO von Putzmeister. Im Interview verrät der Geschäftsführer, was das Unternehmen heute und in Zukunft bewegt.

 

Herr Knötgen, was für ein Unternehmen fanden Sie vor, als Sie die Verantwortung übernahmen?

Putzmeister ist eine bekannte und renommierte Marke, die in der Branche hohe Wertschätzung genießt. Und etwas Besonderes habe ich hier gleich zu Beginn gespürt: den Stolz der Mitarbeiter auf ihr Unternehmen und ihre große Identifikation mit Putzmeister.

Was macht Putzmeister für Sie aus?

Putzmeister ist in den vergangenen sechs Jahrzehnten zu einem weltweit aktiven Unternehmen herangewachsen. Wir haben Produktions- und Vertriebsstätten in zahlreichen Ländern auf allen Kontinenten. Von Aichtal aus lenken wir unsere globalen Aktivitäten und unterstützen unsere Tochtergesellschaften.

Es ist sicher nicht einfach, eine Balance zwischen regionaler Verankerung und globalem Wettbewerb zu finden …

Richtig. Wir brauchen Ausgewogenheit, auch zwischen den verschiedenen Märkten. Den langfristigen Erfolg sichern Managementstrukturen, mit denen wir schnell auf globale Trends reagieren können.

Auch um das Unternehmen krisensicher zu machen? Den Einbruch während der Finanzkrise 2008 haben viele Mitarbeiter noch im Hinterkopf.

Es muss keine globale Krise sein, selbst kleinere Schwankungen können Probleme bereiten. Wir wollen Putzmeister finanziell noch stabiler machen, damit wir unabhängiger sind von Bewegungen des Marktes. Es ist immer besser, agieren zu können als reagieren zu müssen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Unsere Anstrengungen haben wir in einem Programm gebündelt: „Become One“. Wir wollen in allem, was wir tun, die Nummer eins sein. Bei den Betonpumpen haben wir in vielen Märkten die höchsten Marktanteile. Dazu gehören aber auch eine höhere Kosteneffizienz und die Technologieführerschaft. Hier wollen und müssen wir auch in Zukunft vorne stehen. Und natürlich wollen wir unsere Marktanteile ausbauen. Kurz gesagt: Der Prozess betrifft Produkte, Services und interne Prozesse.

Putzmeister stand in der Vergangenheit für Innovationen und Verbesserungen bestehender Produkte. Wo sind heute Neuentwicklungen möglich?

Spannend ist für uns das Thema Digitalisierung. In der Baubranche insgesamt gibt es aus meiner Sicht einen gewissen Innovationsstau – darin liegen aber gleichzeitig große Chancen, insbesondere für Putzmeister.

Können Sie ein Beispiel geben?

Das fängt bei unseren Maschinen an. Über das Cockpit bekommen die Besitzer in Echtzeit Daten über ihre Maschine. Wo befindet sie sich wie arbeitet sie genau? Damit lässt sich vieles besser kontrollieren: die Wartung, der Verschleiß bestimmter Teile, auch der Diebstahlschutz. Die Daten liefern zudem wichtige Informationen für unseren Service; damit können wir unseren Kunden gezielte Vorschläge machen. Das ist aber noch nicht alles …

Wie geht es weiter?

Wir schauen nicht nur auf unsere Maschinen, sondern auf die gesamte Kette der Betonverarbeitung, vom Mischwerk bis zur Baustelle. Damit lassen sich Wartezeiten vermeiden oder Liefermengen rechtzeitig senken. Wir helfen dabei, Material, Energie und letztlich die Kosten unserer Endkunden zu reduzieren. Solche Entwicklungen können auf Baustellen mit großem Gefahrenpotenzial außerdem die Arbeitssicherheit erhöhen und Ressourcen schonen. Das sind für unsere Kunden auch sehr wichtige Themen.

Lässt sich die Vernetzung auf die gesamte Baustelle ausweiten?

Momentan noch nicht, aber wir arbeiten verstärkt daran. Das Ziel ist es, integrierte Konzepte für die gesamte Baustelle zu erstellen und alle Gewerke miteinander zu verknüpfen.

Welche Schwierigkeiten gibt es dabei?

Wir müssen dazu mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten – Partnern, aber auch Wettbewerbern. Da stellt sich die Frage, wie wir die Entwicklung vorantreiben und gleichzeitig unser eigenes Know-how schützen. Das betrifft uns, andere Unternehmen aber genauso. Ich sehe uns dabei auf einem guten Weg, Putzmeister soll durchaus als Integrator auf der Baustelle wirken.

Seit 2012 ist Putzmeister Teil der Sany-Gruppe, eines Konzerns mit breitem Portfolio. Welche Synergien ergeben sich daraus?

Sany hat sich bewusst entschieden, die weltweit anerkannte Marke Putzmeister zu schützen und dem Unternehmen größtmögliche Eigenständigkeit zu lassen. Meiner Meinung nach liegen in der Übernahme durch Sany mehr Chancen als Risiken – auch wenn es häufig anders wahrgenommen wird. Eine große Chance besteht darin, Grundlagenentwicklungen gemeinsam zu betreiben, etwa bei der Hydraulik oder der Elektronik, und diese dann auf verschiedene Produkte und kundenspezifische Anwendungen zu übertragen. Es kommt darauf an, die Möglichkeiten zu nutzen, ohne bestehende Strukturen zu sehr in Frage zu stellen.

Werfen wir noch einmal einen Blick zurück. Welche Werte der Vergangenheit spielen heute noch eine Rolle?

Zuallererst ist Karl Schlecht zu nennen, der das Unternehmen aufgebaut und erfolgreich gemacht hat. Seine Lebensleistung verdient größten Respekt, und auch heute ist er ja mit seiner Stiftung noch bei uns im Haus präsent. Das Vertrauen in die Marke und die Nähe zum Kunden sind sicherlich Werte, die nahtlos bis in die Gegenwart erhalten werden konnten. Die Modelle für den Erfolg sind im globalen Wettbewerb heute aber sicherlich andere als vor 30, 40 Jahren. Dieses Bewusstsein spüre ich auch bei den Mitarbeitern. Sie haben immer wieder bewiesen, dass sie neue Herausforderungen annehmen und erfolgreich meistern.

 

Und wenn wir auf das Bauen der Zukunft schauen: Geht es tatsächlich um immer neue Rekorde, um „höher, schneller, weiter“, wie wir das etwa im arabischen Raum beobachten?

Ich denke, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist. Bei solchen Projekten beweist Putzmeister vor allem, was wir können. Mehr beschäftigt uns die Frage, wie unsere Kunden in der Breite von unseren Maschinen profitieren. Wie können wir unseren Kunden die tägliche Arbeit erleichtern? Darum geht es.

 

Was erwarten Kunden denn von Putzmeister-Produkten? Es gibt ja auch günstigere Alternativen …

Das stimmt, und das ist für uns eine Herausforderung. Schließlich schauen auch unsere Kunden auf die Kosten. Wir suchen immer nach dem Mehrwert für unsere Kunden. Das ist neben den Produkten selbst vor allem unser Service. Viele Kunden wissen: Wenn ich ein Problem habe, dann löst Putzmeister das für mich. Wir sind überzeugt, dass das auch heute noch gilt. In Zukunft wollen wir diesen Vorsprung halten oder sogar ausbauen. Markentreue, wie es sie heute noch gibt, freut uns und spricht für das Ansehen von Putzmeister in der Branche. Wir dürfen uns aber nicht darauf ausruhen. Deswegen ist Innovation für uns kein

Selbstzweck, sondern muss unseren Kunden einen tatsächlichen, nachprüfbaren Vorteil bieten.

 

Wenn Sie es auf den Punkt bringen müssten: Wofür steht Putzmeister heute?

Für das technologisch beste Produkt am Markt, für eine breit aufgestellte, erfahrene Mannschaft in allen Bereichen: im Vertrieb, im Service, mit Kundenkontakt oder stärker im Hintergrund. Und ich denke, dass unsere Mitarbeiter den Stolz auf ihr Unternehmen auch unseren Kunden im täglichen Umgang authentisch vermitteln.

 

Wie sieht für Sie der Putzmeister der Zukunft aus?

Unser Ziel ist ganz klar, unsere Marktführerschaft in den nächsten Jahren zu halten und auszubauen. Dazu gehört, dass wir unser Leistungsspektrum erweitern, also aus unserer Kompetenz im Kerngeschäft auf gesunde Weise in die Breite wachsen. Für mich ist der

Putzmeister der Zukunft nicht nur Maschinenhersteller, sondern Lösungsanbieter, der in der Zusammenarbeit mit seinen Partnern sämtliche Prozesse auf der Baustelle vernetzt – und dabei sein Kerngeschäft nicht aus den Augen verliert.

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